11 Jun 2009 - 23:22:22
"Anata, daiteyo!"
Und ich sehe so verdammt genau, was als nächstes passieren wird, dass es mir sehr weh tut, daran denken zu müssen, aber ich kann es nicht abschalten, dass es mir weh tut und ich kann auch nicht abwenden, dass das, was geschehen wird, sich ereignen wird. Ich habe nicht gehofft, dass mir Rache bleiben würde, dennoch habe ich gewusst, dass die Triebe so schnell wachsen im Licht, weil sie eben so schnell vergehen. Und das wüste Stürmen wird mich fortreißen, weil ich es in mir doch nicht besänftigen kann. Und deine Augen werden mir nicht mehr folgen, wenn ich den Rand der Klippen erst übersprungen habe. Das wusste ich auch vorher schon und auch vorher schon tat es mir leid darum und nichts daran hätte ich ändern oder gar besser machen können. Ich habe weiter aufgeschrieben und meinen Siegelschwüren in nächtlichen Messen gedient, habe zartätherisch dem wilden Intervall in mir gelauscht und mich daran angelehnt, als sei es der letzte Baum auf Erden, der mir hier begegnet auf meiner Reise durch den Nebel, die fast schon zuende ist. Es gibt kaum noch eine Narbe, die ich nicht trage an meinem Fleisch oder an meiner Seele. Doch die letzte, die ich tragen kann, die soll mir die allerschönste werden und um nichts werde ich jemals so geweint haben wie ich um den Bruch der Wellen weinen werde. Hing ich an Haken schon und schrie ich auch wie am Spieße, schnitt ich von mir selbst das Geisteselend meiner eigenen Artgenossen vor deren Blicken, um ihre Stumpfheiten aufzupolieren mit meinem eigenen Blut, stach ich mir Formen wie Bilder mit bunter Tinte in meine Haut, durchstach ich sie mit Edelstahl, zog ich auch daran mit schrecklichen Seilen und ließ ich mich auch kochen bis zur Brust und mein rohes Fleisch aufschneiden darunter...all dies steht in keinem Verhältnis zu den Wunden, die sich mir an der Seele auftaten vor dem Anblick scheußlichster Verwerflichkeiten und grausamster Abart, vor dem Einbezug meiner selbst gegenüber meiner zerstörerischen und zerstörten Umwelt und vor dem Wesen meiner eigenen Natur, das der Thron eines gehörnten Monsters geworden ist, das allein mich mit der Liebe beschenkt, die meine Seele als das erkennt, was sie wirklich ist, auch ohne meine weltlich arrangierte Oberfläche. Auf meinen Spuren liegt roter Schnee wie gefrorenes Blut. Defloriert und selbst verworfen erkenne ich zweifelsfrei den Status meiner letzten Weltgefilde an und liege zum letzten Mal so zerteilt darin, als hätte ich den Ritt auf einem Freischärler gepachtet. Ich habe jetzt begriffen, wie aller Sinn zusammenkommt im chaotischen Rausch gar kosmischer Gifte, ich erkenne nun die eigentliche Klarheit darin und spanne mich sehnend in den nächsten Abgrund. Ich drifte mir selbst voraus, doch ich bin nicht stehengeblieben. Und die nun nahende Endwelt habe ich schon sehr lange geprobt, doch fühle ich mich nicht bitter, auf den Klingen der Sicheln solcher Weise auch weiter meinen Ritt zu tun und ich weiss sehr wohl, wohin sie mich tragen werden...nachdem sie mich zerteilt haben in sämtliche Stücke, die von mir bis dahin bleiben werden. Ist mir auch egal, wie viel davon bleiben wird. Ich sehe ein, nur ein Nutztier zu sein und in diesem Fall gibt es nicht mal einen Grund für mich, dagegen zur Wehr zu gehen. Mein eigenes Wesen flieht ein in sich selbst, halten tue ich das Gebinde dessen mit zitternder Weile, zerteilt in Aufruhr und Stille, in lautstarkem Bruchschwur und schweigender Sehnsucht. Ich halte mich selbst fest an mir selber, mein rechter Flügel ist mir abgerissen und dennoch wage ich noch, mich zu erheben, glanzvoll dem Äther meiner eigenen Fügung geweiht.
Und an Zeichen fehlt es nicht zu diesen Zeiten. Das Erbe wird mir auch keine Taubheit bescheren, zu sehr wiegt doch mein Anteil - weiterhin. Trotz der nun immer näher rückenden Fallwende fühle ich mich näher am Atem denn je, hab all meine Schlösser ausgetauscht, um Welten im Innen zu öffnen, die sich niemals an mich gewagt hätten ohne das Faltbeil meines Schlüsselmeisters. Ich transpiriere welkende Nelken und mein Geruch hat sich verändert. Dunkel ist mein Blut geflossen, Nacht hat sich aus ihm hervor getagt an die Ränder meiner Suppenrinde; das Hirn trägt seinen Geist zur Schau und bestellt sich harsche Felder ab. So sanft die Neigung war selten die meine, so weiblich mein Leib hat sich zu selten gefühlt. Zerstoßen treibt im Aufmaß der Gebinde meine Zwille und der Stein, den ich einst segnen tat mit schürenden Netzen. Heraufbeschworen habe ich ein anderes Siegel, um über die Weiten in den Tiefen zu driften wie raue Wasser über glatte Spiegel, wie raue Spiegel über glatte Wasser...und ich halte meinen Atem an, berauscht von dieser Nähe; aus meinem Sturm heraus so über die Wogen gebeugt halte ich meinen Sinn gegen die Streben der manifestierten Wirklichkeit: Ich liebe dich. Nichts krönt mehr und nichts kann tiefere Wunden reißen und nichts hinterlässt edlere Narben als das. Im Grundgerüst aller Horizonte verstreicht der Augenblick so unsagbar kostbar...meine Tränen werden ihn nicht halten können, mein Blut wird nichts beweisen können, mein Schmerz wird keine Gräben ausheben und meine sinnliche Lust wird den Strand meiner Welt mit ganz anderen Ufern verreissen. Irgendwann ist meine Flucht zuende und mein letzter Tanz mit dem eigenen Schatten hört auf, nachdem der letzte Ton aus den geheimen Winkeln verklungen ist. Doch noch bevor die Klinge sich an mein empfindlichstes Mal ansetzt...will ich die Sonne leben am Zelte deiner Seite, selbst wenn sie mir nur für die Träume verbleibt und deine Welle austrinken, damit du sie selbst reiten kannst, irgendwann, ja...irgendwann.
Irgendwann liegst du wieder zwischen meinen Schwingen und ich fühle meine Hörner nach dir trachten. Irgendwo werden wir uns erneut begegnen. Irgendwie werde ich immer dieses Band spüren, das sich so antik in mir anfühlt, ganz gleich, wie neu du mir auch immer begegnen magst. Und meine eigenen Wellen...ich weiss doch, sie sind wild und tief, viel zu tief und viel zu wild und was Konstanten ersehnt, wird vor ihnen flüchten sodann. Alles wirkt sich aus zu meinem Schicksal. Ich bin so sehr darin, so sehr, so sehr...so sehr.
Irgendwann liegst du wieder zwischen meinen Schwingen und ich fühle meine Hörner nach dir trachten. Irgendwo werden wir uns erneut begegnen. Irgendwie werde ich immer dieses Band spüren, das sich so antik in mir anfühlt, ganz gleich, wie neu du mir auch immer begegnen magst. Und meine eigenen Wellen...ich weiss doch, sie sind wild und tief, viel zu tief und viel zu wild und was Konstanten ersehnt, wird vor ihnen flüchten sodann. Alles wirkt sich aus zu meinem Schicksal. Ich bin so sehr darin, so sehr, so sehr...so sehr.










