24 Jun 2009 - 20:05:06
OCHSENHUNGER
Dazu gibt es eigentlich nichts zu sagen, schon gar nicht öffentlich. Warum auch? Warum auch jemanden zum Tanz auffordern, wenn man weiss, dafür ja doch bloß verhöhnt zu werden?!? Ich hatte heute Sehnsucht, mich anzuvertrauen. Aber wem denn? ... Ich sitz' bloß da und weine stumm in mich hinein, bis es mir aus den Augen quillt. Meine Hässlichkeit ist der Mensch, als der ich gehen muss und mein Leid ist dieses Tier, das mir untersagt wird, zu sein. Und ich zappel mir nur jeden gottverdammten Atemzug meiner erbärmlichen Menschenexistenz was weiss ich nicht was für einen ab bei dem verzweifelten Versuch, es doch sein zu können, irgendwie...ja, viel zu lange schon - meine eigene Illusion. Unter meinem Stern sind zig Welten untergegangen und die meisten davon habe ich selbst in das All gepflanzt, darum tut es auch so weh. Ich hab heute gar nichts gesagt, kein einziges Wort. Ich habe dieses Metall an meinem Mund, aber es verschließt ihn nicht und trotzdem konnte ich nichts sagen und es hat sich angefühlt, als hätte ich mir die Fresse wirklich zutackern lassen, so richtig, so, dass ich sie nicht mehr aufkriegen kann. Niemand hat mich gefragt, warum ich nichts sage. Niemand war mal wieder an meiner Seite und hat sich um mich gekümmert. Niemand ist immer noch mein bester Freund auf Erden, Niemand ist immer für einen da, für mich zumindest. Niemand hat auch nicht gesprochen, Niemand wollte wie ich sein, Niemand ist wie ich, Niemand fühlt, wie ich fühle. Ich fühle mich nicht sehr weise damit, wirklich nicht. Ich habe ein Bedürfnis nach Salz, ein ganz dringendes, aber ich gebe mir keins; stattdessen quillt es mir hässlich aus den Augen raus und ich kann es nicht fest halten in mir. Das Einzige, das ich noch in mir halten kann ohne es sofort wieder auszukotzen ist Gift. Ich habe Niemand das erzählt, Niemand weiss es schon lange. Niemand sagt, ich könnte was dagegen tun, vielleicht sollte ich das sogar, weil mein Körper mir sonst weg stirbt. Niemand weiss, warum mein Herz keinen Takt halten kann...Niemand sieht die Narben auf dem Rücken meiner Hände, Niemand streichelt sie mir und Niemand versteht, warum ich damit nicht aufhören kann. Wenn ich fort gehe, bleibt nichts ausser Niemand. Niemand wird dann hinaus gehen und sich zu mir in die freien Felder legen. Wenn mich wieder dieser Hunger packt, dann steht Niemand stumm daneben und schaut bloß zu. Niemand hält einen nicht auf, mich nicht. Niemand füttert mich nicht, Niemand schaut bloß zu, wie ich versuche, die Leere in mir zu stopfen, aber die Leere lässt sich nicht stopfen, sie speit alles wieder aus, denn die Nahrung ist vergiftet, aber so, dass ich sie nicht behalten darf, denn ihr Gift ist Nährwert und nur das Gift, das mich nicht nähren kann, darf ich behalten. In mir. Damit es mich frisst, wenn ich nichts fresse. Nichts hat mich so zerstört in der Seele wie schlechtes Essen. Wenn es nicht mal den Fraß wert war, hat es mich am meisten verletzt; so wie die Anderen es in sich hineingefressen haben...Leichen...und alles, was damit einhergeht. So ungerecht, so gottverdammt ungerecht...und ich will nichts davon. Schon so lange nicht mehr. Soma will mir nicht gehorchen und schreit mich an nach Leben. Niemand sagt, hör nicht hin, aber ich kann es dann nicht überhören, wenn ich mich astral nicht hoch bewegt kriege und die gehörnte Bestie im Keller meiner Seele stimmt mir zu und drängt mein geistiges Ohr an die Schreie von Soma, ich kann ihn hören, er leidet. Wenn ich könnte, würde ich mich selbst fressen. Dann bräuchte ich mich selbst nicht wieder auskotzen und Niemand hätte die Gewissheit, dass ich endlich satt geworden wäre. Zufrieden satt. Aber es geht nicht und es tut jeden Tag mehr weh. Da war kaum ein Reiz, zu würgen, es ist mir von selbst aus den Eingeweiden gequollen, aus den Eingeweiden, aus den Eingeweiden...Eingeweide. Was ich spüre in meinen Eingeweiden, sollte mich möglichst von dort aus betäuben können, damit ich es behalten kann...kurzfristig zumindest. Solange es mich betäubt zumindest. War das nun ein Geständnis? Ich hoffe nicht. Meine Hülle ist mir schnurz, nur leider hängt meine Seele damit innerlich irgendwo verbunden. Das ist mein Verhängnis. Niemand weiss auch das, Niemand versteht das. Ich brauche es Niemand nicht mal direkt vermitteln. Niemand ist in Wirklichkeit Keiner, aber Niemand mag nicht Keiner genannt werden, das impliziert zu sehr, er wäre Jemand und mit Jemand will Niemand nichts zu tun haben. Niemand war zu oft enttäuscht von Jemand, wahrscheinlich, ja. Ich frage Niemand nicht danach. Geht mich auch nichts an. Ich heule einfach stumm weiter und sage nichts. Meine Lippen zittern und Soma friert. In mir ist kein Gift, mich zu betäuben. Ich will kein Gift in mir, mich zu betäuben. Niemand flüstert mir ins Ohr, dass er mich liebt. Niemand fürchtet die Liebe. Aber nur die Liebe zu mir. Ich weiss, warum, aber ich fürchte mich davor, es auszusprechen. Niemand weiss, warum, aber er belässt es dabei. Ich habe jetzt genug davon, das hier aufzuschreiben. Ich hab einfach keinen Hunger und in der Leere wohnt bloß Ekel davor. Die Leere hat ein Doppel-E, genauso wie die Seele.










